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Thema vom: 01.01.1970

Gesellschafterversammlung 2017

Im Rahmen der rehaVital Gesellschafterversammlung am 30.06.2017 in Hamburg wurden der Jahresabschluss und der Bericht über das Geschäftsjahr 2016 verabschiedet. Im öffentlichen Teil der Gesellschafterversammlung präsentierte die rehaVital unter dem Motto „Gemeinsame Stärke neu entdecken“ das Thema Lobbyarbeit mit hochkarätigen Referenten. Die rehaVital setzt im Schulterschluss mit regional aktiven Mitgliedern und vielen Branchenbeteiligten verstärkt auf eine politische Einflussnahme, um die Sicherstellung der Patientenversorgung auch zukünftig zu gewährleisten.

Als führende Verbundgruppe im deutschen Hilfsmittelmarkt weist die rehaVital im Geschäftsjahr 2016 eine äußerst positive Entwicklung vor. Das Einkaufsvolumen der Mitglieder wurde zum Vorjahr um rund 12% auf 401 Mio. EUR gesteigert. Die Zahl der Mitgliedsbetriebe lag im Jahr 2016 konstant bei 117 Hauptbetrieben. Die Anzahl der Filialen der Mitgliedsbetriebe stieg um gut 15% auf 598 (2015: 522) Filialen. Im Jahr 2017 stellt sich der aktuelle Stand mit 119 Betrieben und 620 Filialen dar. Diese Entwicklung zeigt einen Zuwachs am Marktanteil der Verbundgruppe.

In der Gesellschafterversammlung wurden der Jahresabschluss und der Bericht über das Geschäftsjahr 2016 verabschiedet. Jörg Reisgies, Gesellschafter der Brandes & Diesing OHG, Hannover wurde als  neuer Sprecher gewählt. Außerdem wurden die beiden neu aufgestellten Bereiche Homecare und Medizintechnik sowie das Vertrieb und Krankenkassenmanagement vorgestellt.

Implementierung Fachgruppenkonzept Homecare und Medizintechnik


Die rehaVital stellt sich mit Fachgruppen in allen Warenbereichen neu auf. Fokussiert agierende Mitglieder oder Spezialisten entwickeln gemeinsam Lösungen für die stetig wachsenden strategischen Anforderungen des Marktes. rehaVital fördert die Bildung von Fachgruppen aufgrund ihrer hohen Bedeutung als Inputgeber mit auch einer thematisch übergreifenden Steuerungsfunktion.

Im Fachbereich Homecare und Medizintechnik wurden die Themenbereiche Einkauf, Vertrieb, Logistik und das Krankenkassenmanagement in eine übergeordnete Verantwortlichkeit durch die neue Fachbereichsleitung, Michaela Jakowizchak, zusammengefasst. Sie verdeutlichte die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Patientenversorgung und die Erfolgschancen einer von rehaVital gezielt unterstützen strukturierten Marktbearbeitung. Die Stärke der rehaVital Mitglieder als regionale Anbieter mit einem Fokus auf ganzheitliche Versorgungsprozesse zum Wohle der Patienten, erfordere konsequenter Weise die Berücksichtigung der Themen Homecare und Medizintechnik  als wesentliche Teile der Patientenbetreuung.


Aufstellung und Ausrichtung KKM

Das neuerdings unter Leitung von Stefan Skibbe stehende Vertriebs- und Krankenkassenmanagement der rehaVital erhält eine stärker vertriebliche Ausrichtung auf die Kostenträger. Die rehaVital wird beispielsweise mit eigenen sektorenübergreifenden Vertriebskonzepten auf die Bedürfnisse der Kostenträger eingehen. Aktuell führt die rehaVital bereits Gespräche mit Kassen zur Sondierung von neuen Vertragsprojekten. Die Unterstützung der Vertriebsaktivitäten der rehaVital Mitglieder durch verbesserte Vertragsdaten und Vertragsdatensysteme gehört zu den weiteren Umsetzungsaufgaben.

Mit den bereits bestehenden Versorgungskonzepten hat die rehaVital ein besonderes Differenzierungs- und Qualitätsmerkmal gegenüber dem Wettbewerb geschaffen. Das Versorgungskonzept der rehaVital im Bereich Schlaganfall ist wegweisend und hat mit einer eigenen gesundheitsökonomischen Studie den Nachweis einer kostengünstigeren aber umfassenderen Versorgung erbracht. Versorgungsangebote für Kinder und COPD-Betroffene ergänzen das attraktive Portfolio der rehaVital. Der Konzeptausbau in weiteren Versorgungs- und Therapiebereichen zur Marktreife ist bereits projektiert.


Lobbyarbeit in der Gesundheitsbranche

Drei hochkarätige Referenten und ein rehaVital Mitglied referierten am Nachmittag im öffentlichen Teil der Gesellschafterversammlung zum Thema „Lobbyarbeit in der Gesundheitsbranche“. rehaVital verfolgt mit einer Neuausrichtung ihrer Lobbyarbeit eine klare Programmatik, wie es der Aufsichtsratsvorsitzende, Detlef Möller und Geschäftsführer Ralf Kaspar Kemmerling auf den Punkt brachten. „Unser Ziel ist eine verstärkte Lobby- und Positionierungsarbeit nach außen und dadurch eine Wahrnehmungsveränderung zugunsten der bestehenden Wertschöp-fungskette. Wir werden als Deutschlands stärkste Verbundgruppe für Leistungserbringer im Hilfsmittelbereich politische Akzente setzen müs-sen, um die bestehenden erfolgreichen Strukturen zum Wohle der Patienten gegen die Anfeindungen von außen zu sichern“, so Detlef Möller. „Im Interesse aller, nicht nur im Interesse unserer Mitgliedsbetriebe, sondern auch unserer Lieferanten und des gesamten Gesundheitssystems müssen wir Einfluss nehmen, um die Qualität von Ware und Leistung zu sichern. Es geht um eine Wahrnehmungsveränderung bei den politischen Entscheidern. Nur auf diese Weise können wir eine Einflussnahme in unser aller Sinne erreichen“, ergänzt Ralf Kaspar Kemmerling.

Den Vortragsreigen leitete Dr. Albrecht Kloepfer mit dem Impulsvortrag „Grundlagen des Lobbyismus“ ein. Sehr anschaulich stellte Dr. Kloepfer dar, wann und wie Lobbyarbeit sinnvoll ist und welche Tools zur Verfügung stehen. Mit einer guten Vorbereitung und in einem kontinuierlichen Austausch, lange bevor Gesetzesvorhaben realisiert werden, sind relevante Sachfragen anzubringen. Für eine erfolgreiche Lobbyarbeit empfahl er rehaVital eine präzise Zielformulierung und eine gute strategische Planung.

Beispiele für guten Lobbyismus

Birgitt Bender als langjährige gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion und mit einem reichhaltigen Fundus und Background aus dem Gesundheitsausschuss des Bundestages ausgestattet, berichtete frank und frei, wie aus ihrer Sicht die Netzwerke funktionieren und welche Befindlichkeiten im politischen Ränkespiel zu beachten sind. Sie unterstrich die Aussagen von Dr. Kloepfer und legte zudem Wert auf Transparenz und die Nachhaltigkeit der Aussagen der Akteure.  Die Berücksichtigung der unterschiedlichen Parteienlandschaft in Berlin und ein langfristiges Engagement hält sie gleichfalls für erfolgsversprechend. Neben der Arbeit des Verbandes auf bundespolitischer Ebene gelte es auch auf lokaler Ebene die Möglichkeiten der Einflussnahme zu nutzen. Ob eine Einladung an Abgeordnete des Wahlkreises oder die Einbindung von lokalpolitischen Mandatsträgern zu öffentlichkeitswirksamen Terminen helfe bei der Positionierung von Themen – ein Gleichklang der Argumente und Stoßrichtung von bundesweiter und regionaler Aktivitäten sei allerdings gebotene Voraussetzung.

Frank Jüttner, Geschäftsführer des rehaVital Mitgliedsunternehmens Jüttner Orthopädie KG, bestätigte dies durch seine lokale Lobbyarbeit in Thüringen. Ob langjährig gepflegte Kontakten durch eigenes politischen Engagement oder neu gewählte Politiker, lädt Jüttner immer wieder ein, sich vor Ort ein Bild von der Arbeit und den Themen im Sanitätshaus zu machen. Frank Jüttner bezieht auch Ehrenamt, öffentliche Ausstellungen sowie die Unterstützung von regionalen Sportveranstaltungen in seine Aktivitäten mit ein. „Bei der Lobbyarbeit geht es um Glaubwürdigkeit und eine starke Marke. Wenn wir unsere Interessenlagen darstellen und unsere Sichtweise begründen, können wir uns auch profilieren. Bei den parlamentarischen Entscheidungen ist es ein langer Weg zum Erfolg, aber was im Kleinen anfängt, kann zum Großen wachsen“, so Frank Jüttner zusammenfassend zu seiner Lobbyarbeit vor Ort. An diesem Beispiel wurde aufgezeigt, dass vor Ort in den Regionen eine Menge erreicht werden kann. Die rehaVital wird ihre Mitgliedsbetriebe daher zukünftig noch gezielter unterstützen und sich auch persönlich in die regionale Lobbyarbeit einbringen.


Parteien zur Bundestagswahl

Als ausgewiesene Expertin gesundheitspolitischer Themen hatte die rehaVital Prof. Dr. Clarissa Kurscheid eingeladen, die das Forschungsinstitut für Gesundheits- und Systemgestaltung (FiGuS GmbH) leitet. Vor der Bundestagswahl im September richtete sich das Interesse der teilnehmenden 170 Veranstaltungsgäste insbesondere darauf, welche gesundheitspolitischen Themen die einzelnen Parteien beschäftigen. Die etablierten Parteien zeigen laut Prof. Kurscheid im Vergleich der Parteienprogramme sehr unterschiedlich auf, welche Ideen und Notwendigkeiten in der kommenden Legislaturperiode verfolgt werden. Eine erste Bewertung ergibt sehr unterschiedliche Auffassungen an die Versorgungformen aufgrund veränderter Krankheitsbilder und die Regulationstiefe des Marktes. Auch die Stärkung der Eigenverantwortung der Versicherten und die Auslegung dieser Anforderungsüberlegung wird sehr unterschiedlich bewertet, wie auch die Gestaltung von Lösungen für eine sektorenübergreifende Vergütung. Die Entwicklung der Digitalisierung im Gesundheitswesen wird dagegen übergreifend befürwortet. Im Spiegel der schon bestehenden und relevanten Problemfelder im Gesundheitswesen war der Abgleich der von den Parteien genannten Themen - auch im Hinblick auf die gesellschaftliche Akzeptanz und potenzielle Umsetzbarkeit - ein großer Mehrwert.

Die Referenten zum Thema Lobbyarbeit zusammen mit Geschäftsfüh-rung und Aufsichtsrat. Von links nach rechts: Frank Jüttner (Jüttner Orthopädie KG), Birgitt Bender (Die Grünen), Prof. Dr. Clarissa Kurscheid (Figus GmbH), Ralf Kaspar Kemmerling (Geschäftsführer der rehaVital), Dr. Albrecht Kloepfer (Büro für gesundheitspolitische Kommunikation), Detlef Möller (Aufsichtsratsvorsitzender der rehaVital und Geschäftsführer von Stolle Sanitätshaus GmbH & Co.KG)
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