rehaVital bezieht Position zu Liposuktion bei Lipödem als Kassenleistung: Vorheriges Ausschöpfen der konservativen Therapie sinnvoll

Im Zuge der Forderung des Gesundheitsministers Jens Spahn, eine Liposuktion bei Lipödem zur grundsätzlichen Kassenleistung zu erklären, griffen auch Publikumsmedien das Thema Lipödem auf. Dabei wurde zum Teil die Liposuktion, gegenüber der sogenannten konservativen Therapie, als einzig wirksame Therapiemaßnahme bei Lipödem dargestellt. Die rehaVital Gesundheitsservice GmbH hält diese Darstellung für problematisch und empfiehlt, vor der Erwägung einer Operation erst alle konventionellen Therapiemöglichkeiten auszuschöpfen.

„Von der Öffentlichkeit noch wenig beachtet, werden das Krankheitsbild Lipödem und die Liposuktion, als einzige effektive Methode „krankhafte“ Fettzellen zu entfernen, in den ärztlichen Fachgremien sehr kontrovers diskutiert“, erklärt Ralph Martig, Bereichsleiter Lymphologie beim rehaVital-Mitglied Schaub KG. So ist bekannt, dass die Stadieneinteilung nach Stadium I bis III in keiner Weise mit der Beschwerdeintensität (Schmerzhaftigkeit und Hämatom-Neigung) zusammenhängt. Spezialisierte Ärztinnen und Ärzte weisen immer wieder auf die Tatsache hin, dass Patientinnen im Stadium III mit ganz wenigen Ausnahmen schwer übergewichtig oder adipös sind (BMI über 40). Hier muss zunächst die Behandlung der Krankheit Adipositas mit all ihren Risiken und Folgeerkrankungen im Vordergrund stehen.

In keinem Stadium ist die ohnehin erhebliche Rate an Fehldiagnosen so hoch wie im Stadium III. Eine der häufigsten Fehldiagnosen ist das sog. „Lipolymphödem“. Hier handelt es sich in aller Regel um ein sekundäres Lymphödem auf dem Boden der morbiden Adipositas (adipositas-assoziiertes Lymphödem), nicht um eine Folge des Lipödems. Eine Liposuktion ist dann kontraindiziert. Eine eindeutige Diagnose zu stellen ist bei der morbiden Adipositas selbst für Fachleute schwierig.

Darüber hinaus ist es in den meisten Fällen nicht mit einer OP getan, sondern es sind mehrere Eingriffe nötig. Patientinnen, die an einer Liposuktion interessiert sind, sollten sich deshalb im Vorfeld genau informieren und mit ihrem Arzt abklären, ob so ein chirurgischer Eingriff bei ihnen auch den gewünschten Erfolg bringt.

Bei einer verifizierten Lipödem-Diagnose empfiehlt die rehaVital deshalb, zuerst mit einer sogenannten konservativen Therapie zu beginnen. Diese besteht im Wesentlichen aus Bewegungstherapie sowie einer konsequent getragenen Kompressionstrumpfversorgung. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Strümpfe eng sitzen, um ihre Kompressionswirkung entfalten zu können. Auch beim Sport sollten sie getragen werden. „Von unseren Mitgliedern bekommen wir häufig die Rückmeldung, dass die Abbrecherquote im Bereich der Kompression leider recht hoch ist“, gibt Frank Strobel, Beschaffungsmanagement der rehaVital, zu bedenken. „Auch dies führt mitunter zu dem vermeintlichen Schluss, die konservative Therapie des Lipödems sei nicht wirksam. Aber ein konsequentes Tragen der Kompressionsstrümpfe ist unerlässlich für den Therapieerfolg. Wenn das tägliche Tragen der Strümpfe, in Kombination mit regelmäßigen Bewegungs- bzw. Sportaktivitäten, eine Möglichkeit darstellen kann, eine bzw. mehrere OPs zu umgehen, sollte diese auch voll ausgeschöpft werden.“

Die rehaVital Gesundheitsservice GmbH betont, dass sie die Liposuktion als Therapiemaßnahme bei fortgeschrittenem Lipödem grundsätzlich unterstützt. Hierbei sollte eine relevante Adipositas aber im Vorfeld ausgeschlossen werden. Darüber hinaus sollten, aufgrund der möglichen Operationsrisiken, erst alle weiteren konservativen Therapie-möglichkeiten ausgeschöpft sein, bevor sich die Patientin zu einer Absaugung der Fettzellen entscheidet. Eine Liposuktion im ersten Schritt nach der Diagnose hält die rehaVital für das falsche Signal.

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