Presse

Wir nehmen als starke Verbundgruppe regelmäßig Stellung zu aktuellen Themen im Gesundheits- und medizinischen Hilfsmittelmarkt und informieren darüber hinaus über Projekte oder Veränderungen in der Hamburger Zentrale. Hier finden Sie unsere Presseinformationen zu verschiedensten Themen zum Download – von aktuellen Projekten der Zentrale, über erfolgreiche rehaVital-Veranstaltungen bis hin zu Stellungnahmen zu Ereignissen innerhalb der Hilfsmittel- und Gesundheitsbranche.

Weitere Informationen, Fotos und Logos stellen wir Ihnen auf Wunsch gerne zur Verfügung. Für Interviewanfragen zu aktuell relevanten Themen kontaktieren Sie uns ebenfalls gerne. Wir vermitteln den Kontakt zwischen Ihnen und unserer Geschäftsleitung bzw. den verschiedenen Bereichsleitern – je nach Themenausrichtung.

Kontakt:

Patrick Grunau
Bereichsleiter Politik, Kommunikation & Marketing
E-Mail: pgrunau(at)rehavital.de
Fon: 040 / 22 72 87 - 29

Digitaler Aufwind: rehaVital beteiligt sich mehrheitlich an der CSE GmbH, 03.06.2021

 

Die zukünftigen Schwerpunktthemen aus der Digitalisierungsstrategie der rehaVital Gesundheitsservice GmbH werden ab sofort in noch engerer Zusammenarbeit mit dem langjährigen IT-Partner CSE GmbH realisiert. Für diesen Zweck beteiligt sich die rehaVital mehrheitlich am IT-Dienstleister und sichert sich so wichtige Entwicklungsleistung für die Zukunft.

 

Gemeinsam mit dem rehaVital-Aufsichtsrat und weiteren Unterstützern aus dem Kreis der Mitglieder hat sich die rehaVital der Aufgabe angenommen, durch eine tragfähige und nachhaltige Digitalisierungsstrategie ihre Strukturen weiter auszubauen. Besondere Bedeutung kommt dabei der Vernetzung aller beteiligten Parteien zu. Die Basis bildet die firmeneigene Plattform reviDacon, über welche bereits das Daten- und Vertragsmanagement sowie das zentrale Einkaufssystem abgewickelt wird. Darauf aufbauend werden nun Verknüpfungen mit anderen Plattformen, wie etwa Entlassplattformen, Pflegeportale oder auch Lösungsfindungen für das eRezept realisiert.

 

Dieser Kurs wird bewusst nicht allein angesteuert. Die rehaVital hat sich für dieses Vorhaben nun mehrheitlich am bereits vertrauten IT-Dienstleister CSE GmbH beteiligt, ein auf das Gesundheitswesen und auf den Hilfsmittelmarkt spezialisiertes IT-Beratungsunternehmen. Bereits Ende April wurde der Notarvertrag unterzeichnet. Die CSE erstellt mit eigenen Programmierern moderne Softwaretools, die stets darauf ausgerichtet sind, den Austausch von Daten zu optimieren. Durch relevante Branchenkenntnisse aus dem Gesundheitsmarkt (u. a. Kooperationen mit Sanitätshäusern, APP-Entwicklung für Zertifizierungsstellen und in der Wunddokumentation sowie Entwicklungen für Apotheken und weitere Gesundheitsdienstleister) kommen stets externe Impulse zur Weiterentwicklung der Software hinzu.

 

„Mit der Beteiligung haben wir, trotz großer Herausforderungen infolge von COVID-19, die Weichen für den zukünftigen Kurs der rehaVital gestellt. Wir sind überzeugt, dass wir damit ein solides Fundament für Wachstum und Wertschöpfung für alle unsere Mitglieder geschaffen haben“, erklärt Jens Sellhorn. „Zukunft ist nicht gut oder schlecht. Sie ist nicht richtig oder falsch. Zukunft ist aussichtsreich für diejenigen, die auf die kommenden Möglichkeiten vertrauen.“

 

Durch die Beteiligung an der CSE GmbH soll zudem zukünftig eine intensive Unterstützung für alle rehaVital-Mitglieder bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen sichergestellt werden. „Wir sichern uns und unseren Mitgliedern damit die derzeit sehr begehrte Ressource an Programmierleistung, in die, durch die enge Zusammenarbeit mit uns, bereits ein hohes Branchenfachwissen eingebunden ist“, betont Jens Sellhorn.

 

Auch die CSE unterstreicht durch diesen Schritt ihren Wachstumskurs. „Mit der rehaVital pflegen wir eine langjährige und sehr gute Partnerschaft. Die Beteiligung hat das Ziel, die Zusammenarbeit zu intensivieren und der Dynamik und dem Wandel im Hilfsmittelmarkt gemeinsam zu begegnen. Unsere Erfolgsfaktoren für das Wachstum werden die Entwicklungsgeschwindigkeit und die Performance unserer Software sein“, ergänzt Geschäftsführer Christof Witton.
 

Bündnis WvD überrascht die Gesundheitspolitik – das sind die Highlights des dritten Live-Videotalks, 07.05.2021

 

Die Digitalisierung macht auch vor dem Gesundheitswesen keinen Halt. Über die Auswirkungen des digitalen Wandels auf die Hilfsmittelversorgung sprach das Bündnis „Wir versorgen Deutschland“ (WvD) am vergangenen Mittwochabend mit seinen Gästen Maria Klein-Schmeink (MdB), stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und Sprecherin für Gesundheitspolitik, sowie Martina Stamm-Fibich (MdB), Patientenbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion. Von ihnen erhielt das Bündnis WvD viel Zuspruch für seine Forderungen. Der Grundtenor: Gemeinsam weiterführende Fragestellungen bearbeiten und Fehlentwicklungen vermeiden.


„Die Digitalisierung im Gesundheitswesen bringt innovative Strukturen und Lösungen mit sich, welche die Versorgung verbessern und vereinfachen können. Wir möchten der Politik dringend Vorschläge zur Umsetzung und Feinjustierung mitgeben, damit wir gegenüber Apotheken oder Krankenhäusern nicht den Anschluss verlieren“, so das Bündnis WvD und verweist damit auf sein Dossier. Daher haben die WvD-Bündnispartner Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT), EGROH-Service GmbH, Reha-Service-Ring GmbH, rehaVital Gesundheitsservice GmbH und Sanitätshaus Aktuell AG das nunmehr dritte Mal zum virtuellen runden Tisch „Gesundheitspolitik im OTon“ eingeladen.


Ein Exkurs zu Beginn: Bundesweite Leitverträge

Bevor die Teilnehmer:innen auf das Thema „Digitalisierung“ zu sprechen kamen, fragte das Bündnis WvD die Gäste nach ihren Einschätzungen von bundesweiten Leitverträgen. Dr. Axel Friehoff, verantwortlich für Vertragsmanagement und Kassenverträge beim WvD-Bündnispartner EGROH berichtet von dem nachteiligen Verhalten einzelner Krankenkassen zum Leidtragen der Patient:innen: „Mit einem einzelnen Betrieb werden unwirtschaftliche Verträge geschlossen, die dann anderen Betrieben als Vorlage aufgezwungen werden sollen – dagegen wehren wir uns mit diversen Schiedsverfahren.“ Die Lösung des Problems sieht das Bündnis WvD in bundesweiten Leitverträgen. Diese Forderung unterstützen auch die beiden Politikerinnen und zeigten sich über diesen Missstand verärgert, so pflichtete Stamm-Fibich dem Bündnis WvD bei: „Manche Kassen sind der Meinung, ihren gesetzlichen Pflichten zur Vertragsverhandlung nicht einhalten zu müssen. Dieses Verhalten ist für mich inakzeptabel. Leitverträge, so wie Sie es vorschlagen, mit den Spitzenverbänden und Zusammenschlüssen der Leistungserbringer sind sicherlich eine Option, die als Lösung in Betracht kommen.“

 

Zuspruch für pandemie-bedingte Mehrkostenerstattung bei PSA

Ebenfalls intensiv diskutiert wurde die Kostenerstattung des pandemie-bedingten Mehraufwandes an persönlicher Schutzausrüstung (PSA). Schnell stellte sich heraus, dass das Bündnis WvD und die Gesundheitspolitik diametrale Ansichten bezüglich der Verhandlungsbereitschaft von Krankenkassen hatten. Die WvD-Bündnispartner verwiesen darauf, dass für andere Versorger wie Ärzt:innen und Phsyiotherapeut:innen die Abrechnung von PSA bereits geregelt sei – für die Leistungserbringer im Hilfsmittelbereich jedoch nicht. Es sei zwar gesetzlich geregelt, Verhandlungen zu den Kosten der PSA zu führen, allerdings sei kein Entgegenkommen seitens der Krankenkassen zu vernehmen. Aus ihrer Erfahrung berichtete Stamm-Fibich: „Aktuell werden viele Verhandlungen geführt und es gibt Kassen, die Vereinbarungen getroffen haben und andere Kassen, die kurz davorstehen.“ Sie räumte aber auch ein, dass es auch unkooperative Krankenkassen gebe. Klein-Schmeink forderte eine Unterscheidung zwischen körpernahen Versorgungen und Versandartikeln und unterstützte die Forderung des Bündnisses WvD nach einer gerechten Entlohnung für den Mehrkostenaufwand bei der PSA: „Sobald eine körpernahe Versorgung stattfindet, muss PSA kostendeckend zur Verfügung gestellt werden. Ansonsten würde man den Anreiz schaffen, unhygienisch und nicht im Sinne des Infektionsschutzes zu versorgen. Sie arbeiten mit stark gefährdeten Personengruppen – das ist dann auch eine Frage des Patientenschutzes.“ „Viel körpernäher als wir versorgt kaum jemand seine Patient:innen. Ich meine nicht nur bei der Prothesenversorgung, sondern auch den Home-Care- oder Reha-Technik-Bereich. In diesem Zusammenhang kann es keine digitale Versorgungsmöglichkeiten geben“, mahnt Alf Reuter, Präsident des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik (BIV-OT), stellvertretend für die WvD-Bündnispartner.

 

ePA: Leistungserbringer brauchen Schreibrecht

Auf die Kurzumfrage „Sollten Leistungserbringer für die elektronische Patientenakte (ePA) Lese- und Schreibrecht besitzen?“ antworteten 75 % der rund 100 Zuhörer:innen mit „Ja, unbedingt“. Die restlichen 25 % verteilten sich auf die Antworten „Nein, es reicht das Leserecht“ und „Ich bin mir unsicher“. Damit erhielt das Bündnis WvD viel Rückenwind für sein Anliegen, Leistungserbringer mit einem Lese- und Schreibrecht für die ePA auszustatten. „In der Hilfsmittelversorgung gibt es sehr viele Dokumentationen, die wir hinterlegen und sammeln – zum Beispiel Beratungsdokumentationen. Alle an der Versorgung beteiligten Personen müssen sich interdisziplinär über die ePA einander mitteilen können. Wenn wir mit Medienbrüchen konfrontiert sind, erfüllt die ePA im Endeffekt nicht ihren Zweck einer schnellen und unbürokratischen Kommunikation“, so Anja Faber-Drygala, Prokuristin und Leiterin des Bereichs Recht und Gesundheitspolitik beim WvD-Bündnispartner Sanitätshaus Aktuell. Klein-Schmeink, die sich mit den Problemstellungen der Hilfsmittelbranche sehr vertraut zeigte, stimmte ihr zu. In den bisherigen Gesetzentwürfen habe sie die Orientierung am Patienten und eine konkrete strategische Planung vermisst: „Es ist ein bisschen zufällig, welche Leistungserbringer berücksichtigt werden. Vor allem nicht-ärztliche Leistungserbringer werden oft vergessen. Die Entwicklung hat viel damit zu tun, dass Patient:innen nicht Ausgangspunkt für die Maßnahmen sind. Die ePA soll Leistungserbringer zusammenbringen, damit sie zusammen eine gute Leistung erbringen. Da müssen wir in der nächsten Wahlperiode nachsteuern.“ Es herrschte Einigkeit darüber, dass die ePA Patientenrechte respektieren und datenschutzrechtliche Aspekte einhalten müsse. 

 

Eine Überraschung zum Schluss

Im Anschluss wurden die Vor- und Nachteile des eRezepts diskutiert. Für Klein-Schmeink ist es „auf jeden Fall die Zukunft und auch eine Chance“. Großen Wert lege sie darauf, dass durch das eRezept keine Patientensteuerung stattfinde und Patient:innen in ihren Wahlmöglichkeiten nicht eingeschränkt werden. Ein positiver Aspekt des eRezepts ist laut Klein-Schmeink die Wegersparnis – insbesondere für Menschen hohen Alters, in ländlichen Regionen oder mit Mobilitätseinschränkungen. Außerdem kritisierte Klein-Schmeink, dass es zwar Anbindungsreglungen gebe, aber eine Mitgestaltungsmöglichkeit fehle: „Das Vorgehen ist momentan unsystematisch: In dem einen Paragrafen werden Leistungserbringer ergänzt, in einem anderen dann aber nicht. Das wirkt nicht durchgängig überlegt.“ Die Notwendigkeit der Wahlfreiheit der Patient:innen betonte auch Stamm-Fibich und ergänzt: „Wir brauchen einheitliche Verfahren, die bei allen Kassen gleichermaßen geschaffen werden. Ich setze mich vehement dafür ein, dass es keine Insellösungen gibt.“

 

Zuletzt deckte Moderator Patrick Grunau, Bereichsleiter Politik, Kommunikation & Marketing beim WvD-Bündnispartner rehaVital, eine umgehend zu schließende Wissenslücke bei den Gästen auf: Allein für den Austausch von digitalen Daten wie dem elektronischen Kostenvoranschlag (eKV) muss der Leistungserbringer Entgelte leisten. Hinzu käme, dass Krankenkassen kein einheitliches System verwenden würden. Das Resultat: Unterschiedliche Dienstleister verlangen unterschiedliche Entgelte und rufen so einen hohen bürokratischen Aufwand hervor. Das Bündnis WvD forderte dazu auf, die Neustrukturierung des Gesundheitswesens für die Vereinheitlichung von Prozessen und Kommunikationssystemen zu nutzen. Auf diese Erläuterungen reagierte Klein-Schmeink, äußerst überrascht und gab zu, dass sie „davon noch nicht gehört“ habe. Sie stimmte dem Bündnis WvD zu: „In Zeiten der Digitalisierung ist ein solches Vorgehen vollkommen irre. Wir müssen die Digitalisierung an diesen Stellen nutzen, um Standardisierungen einzuführen. Ansonsten nutzen wir nicht den Vorteil, den uns die Digitalisierung bringen sollte.“

 

Die nächsten Schritte

Grunau bedankte sich stellvertretend für die WvD-Bündnispartner bei den Gästen für das offene Gespräch, in dem viele Schnittmengen offengelegt wurden. So zum Beispiel, dass die Versorgung mit Hilfsmitteln als elementarer Bestandteil des GKV-Systems bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens dringend berücksichtigt werden muss. Im Bereich der Kostenerstattung des pandemie-bedingten Mehraufwandes an PSA haben beide Seiten gleichermaßen notwendigen Handlungsbedarf festgestellt. Grunau versprach, den beiden Gesundheitspolitikerinnen eine Aufstellung der anfallenden Gebühren für eKV bereitzustellen. Es herrschte Einigkeit darüber, dass Digitalisierung die Abbildung des Gesamtprozesses – vom eRezept bis zur Abrechnung – vereinheitlichen und entbürokratisieren sollte. Die Gesprächsparteien werden ihren Kontakt fortführen. 

 

 

Zum Bündnis „Wir versorgen Deutschland“:
Knapp 25 Prozent der gesetzlich Versicherten in Deutschland benötigen die Versorgung mit Hilfsmitteln. Für Teilhabe und Lebensqualität dieser Patienten und Patientinnen sind diese Versorgungen elementar: Sie gewährleisten den Erfolg ihrer Krankenbehandlung, beugen drohenden Behinderungen vor oder gleichen bereits bestehende Handicaps aus. Mehr als 120.000 Mitarbeiter und mehr als 8.000 Leistungserbringer in den Bereichen Orthopädietechnik, Orthopädieschuhtechnik, Reha-Technik und Homecare verantworten die wohnortnahe und qualitätsgesicherte Versorgung dieser Patienten und Patientinnen.

Die im Bündnis zusammengeschlossenen Partner zählen zu den maßgeblichen Spitzenverbänden und Zusammenschlüssen von Leistungserbringern. In ihrer Verantwortung für die qualitätsgesicherte, wohnortnahe und wirtschaftliche Versorgung haben sich die Partner auf die gemeinsame Verfolgung politischer Positionen geeinigt. Zu dem Bündnis gehören: Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik, EGROH-Service GmbH, Reha-Service-Ring GmbH, rehaVital Gesundheitsservice GmbH und Sanitätshaus Aktuell AG.

Gesundheitspolitik im O-Ton: zweiter Live-Videotalk, 15.04.2021

Wesentliche Baustellen in der Hilfsmittelversorgung identifiziert

 

„Miteinander sprechen statt übereinander“ – diesem Motto folgte das Bündnis „Wir versorgen Deutschland“ (WvD) als Vereinigung der Leistungserbringer in der Hilfsmittelversorgung bei seinem zweiten Live-Videotalk. Die Gäste am Samstag, 10. April 2021, waren Carla Meyerhoff-Grienberger, Referatsleiterin beim Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband), Fachgebiet Hilfsmittelversorgung, sowie Andreas Brandhorst, Referatsleiter beim Bundesministerium für Gesundheit (BMG), zuständig unter anderem für Hilfsmittelversorgung. Die lebhafte Diskussion zeigte deutlich, dass die drei Gesprächsparteien zwar in ihren Ausgangspunkten übereinstimmten, aber unterschiedliche Aufgabenstellungen, Ursachen und Lösungsansätze vorbrachten. Gemeinsam konstatierten sie zwar strukturelle Probleme in der Hilfsmittelversorgung, verorteten den daraus resultierenden dringenden Handlungsbedarf allerdings unterschiedlich.

 

Die pandemische Lage wirke wie ein Brennglas und habe die Stärken und Schwächen des deutschen Gesundheitssystems schonungslos offengelegt, so die WvD-Bündnispartner im Vorfeld des Live-Videotalks. Knapp 100 Teilnehmer:innen verfolgten die Diskussion, die von zwei Themen dominiert wurde: Der Entschädigung für den pandemiebedingten finanziellen Mehraufwand für persönliche Schutzausrüstung (PSA) sowie der Debatte über die Notwendigkeit, bundesweit gültige Verbands- bzw. Leitverträge zu verhandeln.

 

Schnell kristallisierte sich heraus, dass die aktuellen Regelungen zur Kostenübernahme von PSA unterschiedlich wahrgenommen werden. Das Bündnis sprach einerseits ein Lob für die zeitnah veröffentlichten Empfehlungen für Verwaltungsvereinfachungen seitens des GKV-Spitzenverbandes aus. Durch diese sei beispielsweise der sonst notwendige persönliche Kontakt bei Verwaltungsakten auf ein Minimum reduziert worden. Andererseits jedoch sei die Hilfsmittelbranche beim unausweichlichen Mehraufwand für PSA-Kosten in der Pandemie im Stich gelassen worden. Dr. Axel Friehoff, verantwortlich für Vertragsmanagement und Kassenverträge bei der EGROH, wies im Namen des Bündnisses darauf hin, dass daran auch das Gesundheitsversorgungs- und Pflegeverbesserungsgesetz (GPVG) bisher nicht viel verändert habe. Er machte zusätzlich darauf aufmerksam, dass neben den PSA- auch die Frachtkosten erheblich gestiegen seien. Auch hier gebe es dringlichen Gesprächsbedarf bezüglich der Kostenübernahme. Anja Faber-Drygala, Leiterin des Bereichs Recht und Gesundheitspolitik beim WvD-Bündnispartner Sanitätshaus Aktuell, ergänzte als Lösungsvorschlag: Es müsse möglich sein, dass krankenkassenübergreifend eine Pauschale pro Patientenkontakt abgerechnet wird. So könne der Vielfalt der Versorgung Rechnung getragen werden. Außerdem werde eine solche Pauschale auch den „kontaktlosen Versorgungen, die jetzt bereits möglich sind“ gerecht.

 

Während Meyerhoff-Grienberger die Forderungen des Bündnisses WvD nach einer fairen finanziellen Entlohnung unterstützte, vertrat sie auf der anderen Seite den Standpunkt, dass einheitliche Empfehlungen seitens des GKV-Spitzenverbandes für die hoch individuellen Versorgungen im Hilfsmittelbereich zu kurz greifen würden und daher nicht sinnvoll wären. Zudem verfüge der GKV-Spitzenverband in dieser Sache über keine gesetzliche Legitimation.

 

Großer Diskussionsbedarf offenbarte sich des Weiteren beim Thema „bundesweite Leitverträge“. Alf Reuter, Präsident des Bundesinnungsverbandes für Orthopädie-Technik (BIV-OT), betonte stellvertretend für die anderen WvD-Bündnispartner, dass man sich zwischen einem Qualitäts- oder einem Preiswettbewerb entscheiden müsse. Wer sich für einen Qualitätswettbewerb ausspreche und diesen gerecht austragen wolle, müsse für gleichberechtigte Bedingungen sorgen: „Dazu braucht es Verhandlungspartner mit gleich langen Schwertern“, so Reuter. Ziel von Verbands- bzw. Leitverträgen sei es, die enorme Anzahl von Vertragswerken zu vereinfachen. Daraus resultiere letztlich ein Abbau von Bürokratie auf allen Seiten. Die so gewonnene Zeit könne in die Versorgung der Patientinnen und Patienten investiert werden.

 

In diesem Zusammenhang sprachen die Teilnehmer:innen außerdem über die Effektivität der im Jahr 2006 von der damaligen Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt eingeführten Vertragsfreiheit. Brandhorst erläuterte, dass damit eine Ausgabenbegrenzung ohne Qualitätsverlust erzielt werden sollte. Dieser Aufgabe habe sich das Gesundheitsministerium parteiunabhängig immer aufs Neue zu stellen. Die Gesprächspartner kamen zu dem Schluss, dass aktuell nicht verlässlich zu beantworten sei, wie effektiv sich die Vertragsfreiheit für die Hilfsmittelversorgung tatsächlich gestalte – und welche Alternative geeigneter wäre.

 

Das Fazit: Die Teilnehmer:innen des Live-Videotalks wollen weiterhin den Dialog zu suchen, um Differenzen abzubauen und mögliche Lösungswege für offene oder verschieden bewertete Fragen zu finden. Meyerhoff-Grienberger und Brandhorst stimmten weiterführenden Gesprächen zu, die überdies zusätzliche Themen wie Digitalisierung umfassen können.

 

 

Zum Bündnis „Wir versorgen Deutschland“: 
Knapp 25 Prozent der gesetzlich Versicherten in Deutschland benötigen die Versorgung mit Hilfsmitteln. Für Teilhabe und Lebensqualität der Patientinnen und Patienten sind diese Versorgungen elementar: Sie gewährleisten den Erfolg ihrer Krankenbehandlung, beugen drohenden Behinderungen vor oder gleichen bereits bestehende Handicaps aus. Mehr als 120.000 Mitarbeiter:innen und mehr als 8.000 Leistungserbringer in den Bereichen Orthopädietechnik, Orthopädieschuhtechnik, Reha-Technik und Homecare verantworten die wohnortnahe und qualitäts-gesicherte Versorgung.

Die im Bündnis zusammengeschlossenen Partner zählen zu den maßgeblichen Spitzenverbänden und Zusammenschlüssen von Leistungserbringern. In ihrer Verantwortung für die qualitätsgesicherte, wohnortnahe und wirtschaftliche Versorgung haben sich die Partner auf die gemeinsame Verfolgung politischer Positionen geeinigt. Zu dem Bündnis gehören: Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik, EGROH-Service GmbH, Reha-Service-Ring GmbH, rehaVital Gesundheitsservice GmbH und Sanitätshaus Aktuell AG.

Regionalversammlungen 2021: diesjährige Veranstaltung bringt die rehaVital und ihre Mitglieder virtuell zusammen, 26.03.2021


Premiere für die rehaVital Gesundheitsservice GmbH. Zum ersten Mal wurden die Regionalversammlungen als digitales Event abgehalten. Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie löste der Bildschirm das klassische Veranstaltungsformat ab und das rehaVital-Team tauschte sich zusammen mit seinen Mitgliedern digital zu aktuellen Branchenthemen und Entwicklungen aus.

 

Die offizielle Begrüßung erfolgte durch Geschäftsführer Jens Sellhorn. Zum Start der Veranstaltung blickte er auf die schwierige Entwicklung des vergangenen Jahres zurück. Positiv hervorgehoben werden konnten allerdings die gesunde Mitgliederbilanz sowie das positive Betriebsergebnis der rehaVital-Zentrale. Auch die Sichtbarkeit im Markt konnte im Krisenjahr weiter deutlich gesteigert werden. Der Jahresauftakt 2021 verlief aufgrund der anhaltenden Pandemie weiterhin zäh. Das Corona-bedingt rückläufige Einkaufsvolumen gepaart mit steigenden Kosten, die intensivere Wettbewerbssituation durch bislang branchenfremde Player und E-Health Unternehmen als auch mögliche Unternehmensveräußerungen zählen zu den aktuellen Herausforderungen für die gesamte Branche. Die rehaVital-Roadmap für die kommenden 5 Jahre benennt dahingehend klare Ziele, u. a. die Weiterentwicklung von digitalen Kompetenzen, die Erweiterung zentraler Dienstleitungen für alle rehaVital-Mitglieder und den deutlichen Ausbau der Marktanteile.

 

Im Bereich des Beschaffungsmanagements stellte Bereichsleiter Frank Strobel das Einkaufsvolumen aus 2020 vor. Dieses lag bei 395 Mio. Euro und damit -1,8 % unter dem Ergebnis des Vorjahres. Diese Entwicklung ist so auch im Markt feststellbar. 2021 betreffend „trauen wir uns aktuell nicht zu, eine seriöse Prognose zu stellen“, so Frank Strobel, „wir gehen jedoch von einer stabilen Entwicklung aus“. Grund für die Zurückhaltung sind die unklaren volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie das Impfgeschehen oder die Dauer des Lockdowns. Heruntergebrochen auf die Warenbereiche werden unterschiedliche Entwicklungen deutlich. So zeigen die Bereiche Reha mit -7 % und SAN mit -2 % rückläufige Ergebnisse auf, während die OT mit +3 % noch leicht gewachsen ist. Es gibt aber auch Sektoren, die von der Corona-Situation profitierten: Die Bereiche Medizintechnik und Homecare erfuhren beide eine Steigerung von +7 %, wobei in der Medizintechnik der Austritt eines Lieferanten herausgerechnet ist. Die schwache Entwicklung hat für die rehaVital-Gruppe insbesondere in der Reha konditionelle Herausforderungen mit sich gebracht. Die Gesamt-Gruppenbonusquote konnte gegenüber dem Vorjahr aber durch intensive Nachverhandlungen noch weitestgehend stabil gehalten werden.

 

Patrick Grunau, Bereichsleiter für Politik, Kommunikation & Marketing, verbildlichte das vergangene Jahr als politisches Ringen um Systemrelevanz. Gemeint ist die übergeordnete Forderung nach einer höheren Wertschätzung und besseren Rahmenbedingungen für die Branche. „Dafür setzen wir uns bei der rehaVital mit Herzblut ein“, so Patrick Grunau. Denn auch der Blick ins Superwahljahr 2021 offenbart verschiedene Herausforderungen. Während zu Themen wie der Abrechnung der Pflegepauschale oder der Impfpriorisierung bereits erste Erfolge gefeiert werden konnten, werden in anderen Bereichen noch intensiv Lösungen erarbeitet und zielführende Maßnahmen zur Umsetzung an die Politik gerichtet. Darunter fallen die Möglichkeiten für Schnelltestungen in Sanitätshäusern, der Umgang mit den rasant gestiegenen Frachtkosten und ferner die Einbindung beim eRezept. Um die Forderungen zeitnah und wirkungsvoll durchsetzen zu können, dient auch die enge Zusammenarbeit mit dem BVMed, der IGHV und das Bündnis „Wir versorgen Deutschland“.

 

Das Krankenkassenmanagement konzentrierte sich im letzten Jahr immer noch auf die Qualität und zeitliche Einhaltung von Anschlussverträgen nach dem Ende der Ausschreibungen. Für die Verhandlungen ist die rehaVital in verschiedenen Arbeitsgemeinschaften tätig. Mit der Arbeitsgemeinschaft „Reha-Technik IKK classic“ wurde wegen des Scheiterns der Vertragsverhandlungen erstmalig der Weg über ein Schiedsverfahren gewählt. Michael Hagemann, stellv. Bereichsleiter, erklärte den zugehörigen Prozess. 
Auch inhaltlich werden neue Maßstäbe definiert und Optimierungen der aktuellen Vertragsgestaltung angestrebt. Um mehr Einheitlichkeit in die Vertragsverhandlungen zu bekommen, hat die rehaVital einen kurzen und prägnanten Musterrahmenvertrag entworfen. Bereichsleiter Ole Gustafsson betonte dabei, dass dieser zukünftig nicht nur in laufende Vertragsverhandlungen eingesetzt, sondern auch anderen Verbundgruppen und Verbänden zur Verfügung gestellt wurde. Ferner setzt sich die rehaVital das Ziel, bestehende Verträge zu prüfen und Klauseln zu beseitigen, die als rechtswidrig erachtet werden.

 

Mit dem Finanzbericht griff Frank Rosenbach, kaufmännischer Leiter und Chief Digital Officer, noch einmal die Zahlenebene auf. Insgesamt konnte das Jahr 2020 u. a. aufgrund konsequenter Sparmaßnahmen mit einem Gewinn (EBT) abgeschlossen werden, der deutlich über dem Vorjahr lag.  
Bei Frank Rosenbach laufen zudem die Fäden der Digitalisierung bei der rehaVital zusammen. Es wurden verschiedene Maßnahmen beschlossen, um für die Mitglieder zukunftssicher aufgestellt zu sein. Dazu zählen die Sicherstellung einer hohen Datenqualität des zentralen Artikelstammdatensystems und eine stärkere Einbindung aller Partner an das Daten- und Vertragsmanagement. Außerdem wird die Vernetzung von neuen digitalen Plattformen im Mittelpunkt stehen, um einen optimalen Daten- und Informationsaustausch mit allen Beteiligten zu gewährleisten. RehaVital-Mitgliedern wird so eine dauerhaft attraktive Infrastruktur außerhalb der traditionellen Prozesse geboten. Die anlaufenden Optimierungen entstehen dabei im direkten Austausch mit den Mitgliedern. Schon während der Veranstaltung wurde eine kurze Umfrage zur Situationsanalyse getätigt, weitere folgen.

 

In Anlehnung an die regionale Unterteilung wurden vier Einzeltermine abgehalten. Insgesamt nahmen über 110 Geschäftsführer und zumeist leitende Mitarbeiter teil, so dass eine sehr gute Durchdringung bei den Mitgliedern erreicht werden konnte. Die Veranstaltung wurde insbesondere durch zahlreiche Fragen und Kommentare aus den Kreisen der Mitglieder, für die nicht nur im Anschluss an die einzelnen Vorträge, sondern auch eigens am Ende der Veranstaltung Zeit eingeräumt wurde, lebendig und ließ trotz räumlicher Distanz schlussendlich doch ein vertrautes Miteinander zu. Geschäftsführer Jens Sellhorn freut sich über die gelungene Veranstaltung: „Wenn der Vertrauenstopf voll ist, kann man gemeinsam viel bewegen“, so sein Fazit.

 

 

Die rehaVital begrüßt den jüngst von der KKH eingeführten Hygienezuschlag für die persönliche Schutzausrüstung im Bereich „Beatmung“, 02.03.2021

 

Zwei Monate nach dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung und Pflege (Gesundheitsversorgungs- und Pflegeverbesserungsgesetz, GPVG) am 01.01.2021 geht die KKH als erste gesetzliche Krankenkasse mit gutem Beispiel voran und benennt konkrete Maßnahmen hinsichtlich der im Gesetz festgelegten erhöhten Hygienemaßnahmen.

 

Der persönliche Kontakt mit vulnerablen Gruppen, wie z. B. mit älteren Patienten oder Patienten mit Vorerkrankungen, ist auch zu Pandemie-Zeiten für die Mitarbeiter der Leistungserbringer unumgänglich und bedarf gerade dadurch erhöhter Vorsichtsmaßnahmen, um Mitarbeiter und Patienten ausreichend zu schützen. Die damit einhergehenden steigenden Kosten für die persönliche Schutzausrüstung gehen dabei zulasten der Leistungserbringer. In den geltenden Verträgen mit den Krankenkassen sind solche Zusatzkosten allerdings bislang nicht berücksichtigt. Die rehaVital Gesundheitsservice GmbH sieht hier dringenden Handlungsbedarf, im Sinne des GPVG die Kosten für Schutzausrüstung in die Versorgungsverträge mit aufzunehmen.

 

Das Ziel ist, den monetären Zusatzaufwand, mit dem sich die Leistungserbringer konfrontiert sehen und derzeit noch in vollem Umfang zu tragen haben, mithilfe einer zentralen Regelung mit den Krankenkassen neue Abrechnungspauschalen zu verhandeln, die der aktuellen Situation während der Pandemie entsprechen.

 

Mit dem Inkrafttreten des neuen Gesundheitsversorgungs- und Pflegeverbesserungsgesetzes (GPVG) hat der Gesetzgeber Abhilfe geschaffen. Seit dem 01.01.2021 können verbindliche Kostenübernahme-Vereinbarungen zwischen Leistungserbringer und Krankenkassen getroffen werden. Dieses Gesetz kann somit maßgeblich zur Entspannung der Kostenthematik beitragen.

 

Als erste Krankenkasse hat nun die KKH gehandelt und ihren Vertragspartnern eine Nachtragsvereinbarung angeboten. Im Ergebnis konnte im Versorgungsbereich der „außerklinischen Beatmung“ eine Pauschale von 6,00€ netto je Patientenkontakt vertraglich festgelegt werden, gültig ab dem 01.03.2021. “Für uns ist die aktuelle Vertragsschließung im Bereich der außerklinischen Beatmung ein erster wichtiger Schritt mit anerkennender Signalwirkung“, lobt Alexander Pohl, Geschäftsführer von Häussler technische Orthopädie GmbH. 

 

Das gemeinsame Ziel sollte sein, eine patientennahe und lückenlose Versorgung gewährleisten zu können und für die durch Covid-19 entstehenden Aufwände die notwendigen Kostenübernahmen zu sichern. „Wir begrüßen, dass die KKH als erste gesetzliche Krankenkasse diese gesetzliche Regelung umsetzt und fordern, dass weitere Krankenkassen nachziehen werden“, so Ole Gustafsson, Bereichsleiter Vertrieb und Krankenkassenmanagement der rehaVital. 

 

Dabei erachtet die rehaVital auch das Einbeziehen aller Versorgungsbereiche als unbedingt erforderlich. So sollten bei allen Versorgungen, die direkt am Patienten stattfinden, weitere Vereinbarungen zur Kostenerstattung geschlossen werden. Die rehaVital setzt in diesem Zusammenhang darauf, dass die Politik den GKV-Spitzenverband dazu ermächtigt, eine bundesweit einheitliche Regelung zu vereinbaren.

Gesundheitspolitik im O-Ton: Live-Videotalk, 01.03.2021

Bündnis fordert: Schluss mit der Politik „Gelesen, gelacht, gelocht und abgelegt“

 

In seinem ersten Live-Videotalk forderte das Bündnis „Wir versorgen Deutschland“ (WvD) die Gesundheitspolitik dazu auf, ungeklärte Fragen zu aktuell drängenden Themen zu beantworten. Am 27. Februar wurden diskutiert: Kostenübernahme persönlicher Schutzausrüstung (PSA), Corona-Schnelltests, Verlängerung des Maximalbetrags für Pflegehilfsmittel sowie gestiegene Containerkosten und bundesweite Leitverträge. Den Fragen des Bündnisses und des Live-Publikums stellte sich Dr. Roy Kühne, Bundestagsabgeordneter (MdB), Ausschuss für Gesundheit und zuständiger Berichterstatter für Hilfsmittel der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

 

In seinem ersten Live-Videotalk forderte das Bündnis „Wir versorgen Deutschland“ (WvD) die Gesundheitspolitik dazu auf, ungeklärte Fragen zu aktuell drängenden Themen zu beantworten. Am 27. Februar wurden diskutiert: Kostenübernahme persönlicher Schutzausrüstung (PSA), Corona-Schnelltests, Verlängerung des Maximalbetrags für Pflegehilfsmittel sowie gestiegene Containerkosten und bundesweite Leitverträge. Den Fragen des Bündnisses und des Live-Publikums stellte sich Dr. Roy Kühne, Bundestagsabgeordneter (MdB), Ausschuss für Gesundheit und zuständiger Berichterstatter für Hilfsmittel der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

 

Im Live-Videotalk sei der Finger in die Wunden der derzeitigen gesundheitspolitischen Maßnahmen gelegt worden – darüber sind sich die Bündnispartner Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT), EGROH-Service GmbH, Reha-Service-Ring GmbH, rehaVital Gesundheitsservice GmbH und Sanitätshaus Aktuell AG einig. Bisher gleichen Sanitätshäuser und orthopädietechnische Betriebe Versäumnisse der Krankenkassen und Politik aus. Dies sei selbstverständlich keine Dauerlösung, so das Bündnis.
Die Stimmung unter den mehr als 100 Teilnehmern gab dem Bündnis in seinen Forderungen nach verbindlichen Regelungen für die Hilfsmittelbranche Recht. Auf die Umfrage, ob Deutschland für künftige pandemische Gefahren nach einem Jahr Corona besser aufgestellt sei, forderten 90 Prozent, dass weitere politische Maßnahmen getroffen werden müssten. Kühne (MdB) zeigte sich bestens über die Problemlagen der Hilfsmittelversorgung informiert und forderte das Fach auf, deutlicher Position zu beziehen. Man könne nicht von jedem Politiker erwarten, so tief in den Prozessen und Problemkreisen informiert zu sein. Kühne (MdB) sicherte dem Bündnis seine Unterstützung zu, um schnell gemeinsame Lösung zu finden – forderte aber auch die entsprechende Transparenz und Bereitschaft, sich in den politischen Prozess aktiv einzubringen.

 

Besonderes angeregt diskutiert wurde das Thema PSA. Man könne zwar auf Grundlage des GPVG (Gesundheitsversorgungs- und Pflegeverbesserungsgesetz) mit den Krankenkassen verhandeln – „aber wir wissen alle, wie das ausgegangen ist“, so Kühne. Er verwies damit auf die Blockadehaltung der Krankenkassen, die Kosten für den pandemiebedingten Mehraufwand an PSA zu übernehmen. Kühne (MdB) machte deutlich: Die Gesundheitspolitik wolle diesen schwammigen Zustand nicht länger tolerieren und bot dem Bündnis an, einen runden Tisch mit Vertreter:innen der Krankenkassen einzuberufen.

 

Insbesondere forderte das Bündnis, die Expertise des Faches auch systemisch endlich zu berücksichtigen. Viel zu oft würden fachliche Stellungnahmen und Anhörungen der Verbände seitens der Selbstverwaltung zwar formal berücksichtigt aber nach dem Motto „Gelesen, gelacht, gelocht und abgeheftet“ behandelt. Hier sei in Zukunft ein ernsthafter und verbindlicher Einbezug der Expertise zu regeln – beispielsweise durch einen festen Sitz im G-BA.

 

Für das Bündnis WvD heißt es: Der Druck muss auf Bundes- und Landesebene weiter erhöht werden. Im diesjährigen Wahlkampf muss die Branche ihre Chance ergreifen, sich und damit die Anliegen der Leistungserbringer in den politischen Diskurs einzubringen.

 

Das Dossier des Bündnis „Wir versorgen Deutschland“ können Interessierte hier herunterladen.

 

 

Zum Bündnis „Wir versorgen Deutschland“:

Knapp 25 Prozent der gesetzlich Versicherten in Deutschland benötigen die Versorgung mit Hilfsmitteln. Für Teilhabe und Lebensqualität dieser Patienten und Patientinnen sind diese Versorgungen elementar: Sie gewährleisten den Erfolg ihrer Krankenbehandlung, beugen drohenden Behinderungen vor oder gleichen bereits bestehende Handicaps aus. Mehr als 120.000 Mitarbeiter und mehr als 8.000 Leistungserbringer in den Bereichen Orthopädietechnik, Orthopädieschuhtechnik, Reha-Technik und Homecare verantworten die wohnortnahe und qualitätsgesicherte Versorgung dieser Patienten und Patientinnen. Die im Bündnis zusammengeschlossenen Partner zählen zu den maßgeblichen Spitzenverbänden und Zusammenschlüssen von Leistungserbringern. In ihrer Verantwortung für die qualitätsgesicherte, wohnortnahe und wirtschaftliche Versorgung haben sich die Partner auf die gemeinsame Verfolgung politischer Positionen geeinigt.

Sanitätshäuser für kostenfreie Massentests bestens aufgestellt, 19.02.2021

 

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kündigt per Twitter Corona-Schnelltests für alle an – kostenfrei: „Ab 1. März sollen alle Bürger kostenlos von geschultem Personal mit Antigen-Schnelltests getestet werden können. Sie sind mittlerweile ausreichend am Markt verfügbar. Die Kommunen können ihre Testzentren oder Apotheken mit solchen Angeboten beauftragen. Auch Laien-Selbsttests sollen nach ihrer bald erwarteten Zulassung durch das BfArM für alle zugänglich sein. Diese Testmöglichkeiten können zu einem sicheren Alltag beitragen, gerade auch in Schulen & Kitas“, so Spahn.


Diese Öffnung wird vom Bündnis „Wir versorgen Deutschland“ ausdrücklich begrüßt. Um die Kapazitäten bei der Durchführung der Massentests sicherzustellen, sollte die entsprechend anzupassende Corona-Test-Verordnung allerdings künftig auch die Sanitätshäuser einbeziehen, denn Apotheken kommen schon jetzt an ihre Grenzen. So erklärt Frank Eickmann, Sprecher des Landesapothekerverbands Baden-Württemberg: „Aufgrund der definierten Standards ist es leider nicht allen Apotheken möglich, ein entsprechendes Testangebot zu machen. Oft scheitert es einfach an der Erfüllung der räumlichen Vorgaben, denn die Tests werden nicht im Kundenbereich der Apotheke, sondern immer in separaten Bereichen durchgeführt.


Sanitätshäuser verfügen über hochqualifizierte Mitarbeiter:innen, die zum Beispiel bereits heute auf den Corona-Stationen der Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen die Kompressionsversorgung von Patienten:innen gewährleisten, – und damit über das medizinische Personal, das entsprechende Testungen durchführen kann. Weil Sanitätshäuser generell auf die Versorgung von Risikopatient:innen eingestellt sind, haben sie im Gegensatz zu den Apotheken in der Regel entsprechende Räumlichkeiten und Kabinen, die sich genauso für Testungen eignen.

 

Durch die Möglichkeit der kostenfreien Testungen können Sanitätshäuser zudem den Infektionsschutz bei der häuslichen Versorgung von Menschen mit Behinderungen absichern. Hier kam es vielfach zu Hotspots. Denn Menschen, die im häuslichen Bereich gepflegt werden, zählen zu den Risikopatient:innen und werden (noch) nicht von der Impfstrategie erfasst. Sie müssen meist von mehreren Pflegediensten und ebenso von medizinischem Personal aus den Sanitätshäusern versorgt werden. Das Infektionsrisiko kann somit durch die kostenfreien Tests reduziert werden.

 

Daher fordert das Bündnis „Wir versorgen Deutschland“, das medizinische Personal und die räumlichen Gegebenheiten der Sanitätshäuser zu berücksichtigen und in die neue CoronaTest Verordnung für kostenfreie Massentests einzubeziehen.

 

 

 

Zum Bündnis „Wir versorgen Deutschland“:
Knapp 25 Prozent der gesetzlich Versicherten in Deutschland benötigen die Versorgung mit Hilfsmitteln. Für Teilhabe und Lebensqualität dieser Patienten und Patientinnen sind diese Versorgungen elementar: Sie gewährleisten den Erfolg ihrer Krankenbehandlung, beugen drohenden Behinderungen vor oder gleichen bereits bestehende Handicaps aus. Mehr als 120.000 Mitarbeiter und mehr als 8.000 Leistungserbringer in den Bereichen Orthopädietechnik, Orthopädieschuhtechnik, Reha-Technik und Homecare verantworten die wohnortnahe und qualitätsgesicherte Versorgung dieser Patienten und Patientinnen. 
Die im Bündnis zusammengeschlossenen Partner zählen zu den maßgeblichen Spitzenverbänden und Zusammenschlüssen von Leistungserbringern. In ihrer Verantwortung für die qualitätsgesicherte, wohnortnahe und wirtschaftliche Versorgung haben sich die Partner auf die gemeinsame Verfolgung politischer Positionen geeinigt. Zu dem Bündnis gehören: Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik, EGROH-Service GmbH, Reha-Service-Ring GmbH, rehaVital Gesundheitsservice GmbH und Sanitätshaus Aktuell AG. 

Corona-Pandemie: Drohender Versorgungsengpass bei Sauerstoffkonzentratoren, 08.02.2021

rehaVital erarbeitet mit Herstellern und Verbänden alternative Versorgungslösung

 

Bereits Ende 2020 hatte die rehaVital über drohende Lieferengpässe bei Beatmungszubehör berichtet, die sich negativ auf die Versorgung der Heimbeatmungs-Patienten auswirken könnten. Diese Situation ist nun im Fortlauf der Corona-Pandemie auch in den Bereich der stationären Sauerstoffkonzentratoren vorgedrungen. Verschiedene Krankenkassen haben bereits Kontakt mit ihren Vertragspartnern aufgenommen, um zu erfragen, wie viele Sauerstoffkonzentratoren diese derzeit auf Lager haben.

 

Die Lage ist bei vielen rehaVital-Mitgliedern noch beherrschbar, aber angespannt. Mit ihrer momentanen Lagerkapazität und längeren Lieferzeiten von Seiten der Hersteller ist die Versorgung mit Sauerstoffkonzentratoren zwar bisher noch gesichert. Dies ist aber z.B. auch davon abhängig, inwieweit der jeweilige Leistungsträger finanziell in der Lage ist, seine Lagerkapazität zu erhöhen und ausreichend Geräte vorzuhalten. Kleinere Unternehmen haben hier im Zweifel das Nachsehen. Insgesamt muss die rehaVital mit einem Engpass in der Versorgung an Neuware, Ersatzteilen und Zubehör rechnen.


Die rehaVital hat deshalb bereits Kontakt mit Medizintechnik-Herstellern aus der Sauerstoffversorgung aufgenommen, um in einer Arbeitsgemeinschaft (ARGE) gemeinsam an einer Überbrückungsstrategie zu arbeiten, die die Versorgung der ambulanten Sauerstoffpatienten bei einer Versorgungslücke mit Sauerstoffkonzentratoren sicherstellen soll. Auch Verbände, wie Spectaris und der BVMed, wurden bereits angesprochen und über den drohenden Versorgungsengpass sowie die mit den Herstellern erarbeitete Lösungsstrategie engmaschig informiert.


Ein erster Lösungsvorschlag dieser ARGE sieht bei einer Unterversorgung im Bereich der Sauerstoffversorgung den temporären Ersatz der Sauerstoffkonzentratoren durch Flüssigsauerstoff vor.


Die Umstellung auf LOX (Liquid Oxygen) soll, laut Strategievorschlag, im ersten Schritt an teilweise mobile Patienten erfolgen, die mit der Handhabung gut umgehen können. Der Patient soll dabei über einen Zeitraum von ca. drei Monaten mit LOX versorgt werden, danach erfolgt eine Neubewertung der Lage mit der Option einer Versorgung um drei weitere Monate. Sollte dies nicht die gewünschte Entlastung der Kapazitäten von Sauerstoffkonzentratoren zur Folge haben, sieht die Strategie im zweiten Schritt auch die Umstellung der Versorgung von weniger mobilen Sauerstoffpatienten vor. „Wir hoffen aber, dass es dazu nicht kommen muss und die Lage sich schon vorher entspannt“, nimmt Ole Gustafsson, Bereichsleiter Vertrieb und Krankenkassenmanagement der rehaVital, Stellung. „Die Versorgung mit Flüssigsauerstoff ist, neben dem stationären Sauerstoffkonzentrator, eine andere Form der notwendigen Sauerstoffversorgung und richtet sich vorwiegend an mobile Patienten. Unserer Meinung nach bedarf es in jedem Fall dringend einer abgestimmten Strategie, was zu welchem Zeitpunkt geschehen kann und muss, um die Versorgung aller außerklinischen Sauerstoffpatienten weiterhin sicherzustellen, damit es nicht zu einer Unterversorgung kommt.“


Die ARGE wird nun aktiv auf die Krankenkassen zugehen, um ihnen den Lösungsvorschlag vorzustellen und abzustimmen, inwieweit diese bereit sind, die temporäre Alternativversorgung im Ernstfall mitzutragen. In ersten Reaktionen stehen die Krankenkassen dem zeitweisen Einsatz von Flüssigsauerstoff generell positiv gegenüber.

Dossier "Wir versorgen Deutschland", 26.01.2021

Die rehaVital hat im vergangenen Jahr damit begonnen, ihre politische Arbeit gemeinsam mit dem Bundesinnungsverband, der Egroh, Saniaktuell und dem RSR zu bündeln. Das Ziel ist es, so gut wie es nur geht mit einer Stimme zu sprechen und gegenüber den politischen Akteuren sowohl geschlossen, als auch entschlossen aufzutreten. Die rehaVital ist davon überzeugt, dass die beteiligten Akteure so vor allem durchsetzungsfähiger werden, was ihnen im Hinblick auf die aktuellen Herausforderungen der Branche, verbunden mit dem „Superwahljahr“ 2021, enorm wichtig ist. 


Aus dieser Zusammenarbeit ist ein Dossier entanden, das an alle für relevanten politischen Akteure versendet wird, dieses finden Sie als PDF hier

„Wir versorgen Deutschland“ – mit vereinten Kräften im Wahljahr 2021, 26.01.2021

Knapp 25 Prozent der gesetzlich Versicherten in Deutschland benötigen eine Versorgung mit Hilfsmitteln, die ihnen Teilhabe und Lebensqualität ermöglichen. Sie vertrauen auf eine wohnortnahe und qualitätsgesicherte Versorgung, die dem Stand der Technik entspricht.
Mit dem Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT), der EGROH eG, Reha-Service-Ring, rehaVital Gesundheitsservice GmbH und Sanitätshaus Aktuell AG haben fünf maßgebliche Spitzenverbände und Zusammenschlüsse von Hilfsmittelleistungserbringern ihre Kräfte gebündelt und vier Schwerpunkte für den Bundestagswahlkampf 2021 definiert, die von der nächsten Regierungskoalition besonders dringend umgesetzt werden sollten. Dazu gehören die Anerkennung als systemrelevanter Versorgungsbereich, der Abbau überbordender Bürokratie, die Festschreibung von Leitverträgen für transparente Versorgungsstandards sowie die effektive Digitalisierung. Die fünf Organisationen vertreten über 120.000 Mitarbeiter und mehr als 8.000 Leistungserbringer der Orthopädietechnik, Orthopädieschuhtechnik, Reha-Technik und Homecare.

 

Nicht zuletzt in der Corona-Krise hat sich eine funktionierende, wohnortnahe Hilfsmittelversorgung als eines der zentralen Elemente im Gesundheitswesen erwiesen, um beispielsweise Krankenhausaufenthalte zu verkürzen, Handicaps auszugleichen oder Folgeerkrankungen bzw. drohender Behinderung vorzubeugen. In der Pandemie kristallisieren sich jedoch ebenso die wichtigsten Herausforderungen der kommenden Jahre für eine qualitätsgesicherte Hilfsmittelversorgung heraus. Daraus resultieren vier Themenbereiche, die BIV-OT, EGROH, Reha-Service-Ring, rehaVital und Sanitätshaus Aktuell in den Bundestagswahlkampf 2021 hineintragen wollen. In einem gemeinsamen Dossier weisen die Vereinigungen zudem auf die daraus folgenden politischen Konsequenzen hin.

 

1. Hilfsmittelversorgung als #systemrelevant definieren und Mitbestimmung sichern
Für eine reibungslose Versorgung benötigen die Leistungserbringer rechtssicher Zugang zu den entsprechenden ambulanten und stationären medizinischen, Rehabilitations- und Pflegeeinrichtungen sowie ebenfalls zu persönlicher Schutzausrüstung (PSA), Schnelltests, Impfstoff und nicht zuletzt Notbetreuung für die Kinder der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Eine ausdrückliche Anerkennung als systemrelevanter Versorgungsbereich auf allen Ebenen des Systems der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und die Einbindung in Unterstützungsmaßnahmen sind deshalb unabdingbar. Dazu zählt die unbürokratische Übernahme der PSA-Kosten. So wurde zwar mit dem Gesundheitsversorgungs- und Pflegeverbesserungsgesetz (GPVG) geregelt, dass auch in der Hilfsmittelversorgung der Mehraufwand an PSA zu vergüten ist. Allerdings müssten demnach zunächst Verhandlungen mit etwa 100 Krankenkassen geführt werden. Hier braucht es eine praktikable ergänzende Umsetzungsverordnung seitens des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG). Für die Zukunft sollten Gesundheitshandwerk und Hilfsmittelleistungserbringer in die Strukturen der Selbstverwaltung des Gesundheitswesens eingebunden und wie Ärzte, Krankenkassen und Patientenvertretungen gleichberechtigt an den Entscheidungen über Versorgungsplanung und -gestaltung im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beteiligt werden.

 

2. Transparente Versorgungsstandards durch Leitverträge
Nach dem Willen des Gesetzgebers sollen das Gesetz zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung (HHVG) sowie Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) Versorgungsqualität und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen sichern und einen Preiswettkampf auf dem Rücken der Versicherten verhindern. Doch einzelne Krankenkassen nutzen die Möglichkeit, nach wie vor Einzelverträge abschließen zu können, um unzulässige Open-House-Konstruktionen mit Preisdiktat zulasten der Versorgungsqualität durch die Hintertür zu etablieren. Die Aufsichtsbehörde, das Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS), bestätigt diese mangelhafte Umsetzung des gesetzgeberischen Willens. Mehr als 1.000 verschiedene Verträge in der Hilfsmittelversorgung sorgen für weitgehende Intransparenz, was letztlich den Patientinnen und Patienten ihr verbrieftes Wahlrecht des Leistungserbringers erschwert sowie hohen administrativen Aufwand bedeutet. Für eine flächendeckende, wohnortnahe, qualitätsgesicherte, transparente und wirtschaftliche Versorgung unabhängig von Einzelinteressen gilt es deshalb, den Abschluss von Leitverträgen durchzusetzen. Damit wären die gesetzlichen Krankenkassen verpflichtet, Vertragsverhandlungen ausschließlich mit den maßgeblichen Spitzenverbänden oder maßgeblichen sonstigen Zusammenschlüssen der Leistungserbringer zu führen.

 

3. Effektive und valide Digitalisierung
Die Digitalisierung im Gesundheitswesen wird ohne frühzeitige Einbindung der Hilfsmittelversorgung nur Stückwerk bleiben. Der Referentenentwurf zum Gesetz zur digitalen Modernisierung von Versorgung und Pflege (DVPMG) seitens der Bundesregierung stellt hier richtige Weichen. Zu den zentralen Bausteinen der neuen digitalen Infrastruktur zählt die elektronische Patientenakte (ePA). Bislang ist die Anbindung aller Leistungserbringer aber nur unzureichend umgesetzt. Gerade vor dem Hintergrund einer interdisziplinären Versorgung ist aber entscheidend, den Lese- und Schreibzugriff auf alle für die Hilfsmittelversorgung relevanten Versicherteninformationen in der ePA gesetzlich zu verankern. Die vielfältigen und mobilen Versorgungsstrukturen sind in der zugrundeliegenden Telematikinfrastruktur (TI) zu berücksichtigen – darunter die wohnortnahe Versorgung, vielfach in der häuslichen Umgebung der Patientinnen und Patienten. Hand in Hand damit geht eine Erstattung der für die Hard- und Softwareerstausrüstung notwendigen Investitionskosten, wie dies im ärztlichen Bereich schon vorgesehen ist. Bereits existierende Parallelstrukturen bzw. Insellösungen, unter anderem durch Pilotprojekte von Krankenkassen, sollten beendet werden. Darüber hinaus sind Versuche zu unterbinden, das Recht der Versicherten auf freie Wahl des Leistungserbringers auszuhebeln: Das Makelverbot (§33 Abs. 6 SGB V und §7 Abs. 3 Hilfsmittel-Richtlinie) ist auch in digitalen Strukturen durchzusetzen.

 

4. Weniger Bürokratie bei der Präqualifizierung zur Hilfsmittelversorgung
Die sogenannte Präqualifizierung ist unabdingbare Voraussetzung für eine vertragliche Zusammenarbeit mit den gesetzlichen Krankenkassen. Die „Aufsicht“ über die Präqualifizierungsstellen (PQ-Stellen) obliegt der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS). Das Vorgehen der DAkkS aber geht über die gesetzlichen Vorgaben hinaus und schafft unnötige Bürokratie. So werden zusätzlich zu den Betriebsbegehungen, welche die PQ-Stellen bei Erst- bzw. Folgepräqualifizierung der Leistungserbringer durchführen, weitere Begehungen alle 20 Monate festgesetzt. Diese kosten- und verwaltungsintensive Überwachung überschreitet nach Ansicht der fünf Leistungserbringerorganisationen das Maß des Notwendigen. Zudem ist sie weder aus den gesetzlichen Vorschriften noch den entsprechenden Empfehlungen des Spitzenverbands Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) ableitbar. Erforderlich ist deshalb, die Arbeit der PQ-Stellen wieder auf die gesetzlichen Vorgaben bzw. die Empfehlungen des GKV-Spitzenverbands zu beschränken.

Neue Bereichsleitung im rehaVital-Beschaffungsmanagement, 06.01.2021

Frank Strobel übernimmt die ehemalige Position von Jens Sellhorn

 

Nachdem Frank Strobel bereits im letzten Jahr als stellvertretender Bereichsleiter des rehaVital-Beschaffungsmanagements eingesetzt war, hat Jens Sellhorn ihm nun, zum 01.01.2021, die volle Bereichsverantwortung übertragen. Jens Sellhorn wird sich, nach 20 Jahren als Leiter des rehaVital Beschaffungsmanagements, aus dem Bereich zurückziehen und sich voll auf seine Funktion als Geschäftsführer konzentrieren.

 

Als langjähriger Mitarbeiter im rehaVital Beschaffungsmanagement kennt Frank Strobel sich mit den besonderen Anforderungen des Bereichs aus und konnte im Laufe der Jahre gute Beziehungen zu den Lieferanten aufbauen. Vorteile, die Jens Sellhorn zu schätzen weiß. „Neben einem guten Gespür für das Vertriebliche ist auch das Zwischenmenschliche in unserer Branche nicht zu unterschätzen. Ich konnte mich die letzten 10 Jahre in der direkten Zusammenarbeit mit Herrn Strobel davon überzeugen, dass er beides beherrscht und gebe die Bereichsverantwortung guten Gewissens voll in seine Hände ab“, betont Sellhorn.

 

Frank Strobel verantwortet somit zukünftig einen der Kernbereiche der rehaVital, zu dem derzeit sieben Mitarbeiter gehören. Der Großteil von ihnen ist, ebenso wie Frank Strobel, bereits seit vielen Jahren bei der rehaVital tätig. Gemeinsam haben sie über die Jahre mit einem immer weiter steigenden Einkaufsvolumen für ein stetiges Wachstum der rehaVital gesorgt. Die langjährige Erfahrung des Teams kam der Verbundgruppe außerdem besonders im Zuge der Coronapandemie zugute, indem größere Verluste im Einkauf sowie beim Gruppenbonus für die Mitgliedsunternehmen abgefedert werden konnten.

 

Im letzten Jahr wurde Herr Strobel als stellvertretender Bereichsleiter noch von Jens Sellhorn begleitet und beraten. Seit Jahresanfang 2021 gestaltet er das rehaVital Beschaffungsmanagement nun eigenständig – nach 20 Jahren der Prägung des Geschäftsbereichs durch Jens Sellhorn. Unter dem damaligen rehaVital-Geschäftsführer Dr. Richard Kollisch baute Herr Sellhorn das Beschaffungsmanagement immer weiter aus, verbesserte kontinuierlich die Einkaufskonditionen der Mitglieder und pflegt bis heute wertvolle Beziehungen zu den teilweise schon langjährigen Lieferantenpartnern. Stets wirtschaftsorientiert in der Sache, war Jens Sellhorn die zwischenmenschliche Ebene auch immer wichtig. Dies zeigt sich auch in seiner jetzigen Arbeit als Geschäftsführer.
 
Damit tritt Frank Strobel ein starkes Erbe an, dem er sich motiviert stellt. „Jens Sellhorn und ich haben in den letzten Jahren immer eng miteinander gearbeitet. Das tun wir nach wie vor, nur in etwas anders gelagerten Positionen. Wir ziehen vertrieblich an einem Strang, trotzdem möchte ich natürlich auch meine persönliche Note in die Gestaltung des Bereichs mit einbringen“, so Strobel. „Die rehaVital ist in ihrer Genetik eine Netzwerkorganisation, die von allen Marktakteuren als wertvoller Gesprächs- und Verhandlungspartner wahrgenommen werden soll. Diese Kernkompetenz möchte ich als Bereichsleiter des Beschaffungsmanagements auf jeden Fall beibehalten und auch noch weiter ausbauen.“

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