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Geplante Kürzungen gefährden die Pflege zu Hause

Neue Studie belegt wachsende Bedeutung von Sanitätshäusern und Homecare – rehaVital warnt vor pauschalen Kürzungen im Hilfsmittelbereich

Mit dem geplanten GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz (GKV-BStabG) gerät ausgerechnet ein Versorgungsbereich unter Druck, der für die Pflege zu Hause unverzichtbar ist. Die geplante pauschale Kürzung von drei Prozent in der Hilfsmittelversorgung würde genau jene Strukturen schwächen, die angesichts des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels für die Pflege in Deutschland immer wichtiger werden.

Darauf weist die rehaVital Gesundheitsservice GmbH mit Verweis auf die aktuelle Hilfsmittelstudie der opta data Zukunfts-Stiftung hin. Die Studie zeigt deutlich: Sanitätshäuser, Homecare-Unternehmen und Reha-Fachbetriebe sind weit mehr als Produktlieferanten. Sie sind ein zentraler Bestandteil der Gesundheits- und Pflegeversorgung einer alternden Gesellschaft. Grundlage der Untersuchung sind 51 Experteninterviews sowie eine Online-Befragung von 896 Akteuren der Hilfsmittelbranche.

Bereits heute werden rund 86 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. Damit häusliche Pflege gelingt, braucht es eine funktionierende Hilfsmittelversorgung – von der Versorgung nach der Klinikentlassung über Pflegebetten, Rollstühle, Orthesen und Prothesen bis hin zu Homecare-Leistungen, Reparaturen und der kontinuierlichen Nachbetreuung. Entscheidend sind dabei nicht allein die Produkte, sondern die damit verbundenen Dienstleistungen: qualifizierte Beratung, individuelle Anpassung, Einweisung und verlässliche Nachsorge.

Wer Hilfsmittelversorgung pauschal kürzt, spart nicht an Ware. Er kürzt an der Zeit, die Menschen brauchen, damit Versorgung zu Hause funktioniert“, sagt Detlef Möller, Vorsitzender des Aufsichtsrats der rehaVital und Geschäftsführer der STOLLE Gruppe. „Ein pauschaler Abschlag wäre Sparen an der falschen Stelle.“

Die Herausforderungen wachsen bereits heute: Der Bedarf an häuslicher Versorgung nimmt zu, gleichzeitig fehlen Fachkräfte, bürokratische Prozesse binden Ressourcen und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschärfen sich. Zusätzliche pauschale Kürzungen würden diesen Druck weiter erhöhen.

„Für Betroffene ist entscheidend, dass ein Hilfsmittel rechtzeitig verfügbar ist, individuell passt und im Alltag zuverlässig funktioniert“, sagt Patrick Grunau, Bereichsleiter Politik, Kommunikation & Marketing bei der rehaVital. „Dafür braucht es qualifizierte Fachkräfte, ausreichend Zeit und schlanke Prozesse – nicht weitere Belastungen für die Leistungserbringer.“

Aus Sicht von rehaVital muss die gesundheitspolitische Diskussion deshalb den tatsächlichen Versorgungsbedarf in den Mittelpunkt stellen. Statt pauschaler Kürzungen braucht es strukturelle Verbesserungen: schnellere Genehmigungsverfahren, verlässliche Hilfsmittelversorgung bei Klinikentlassungen, weniger Bürokratie und bessere Rahmenbedingungen für die Fachbetriebe vor Ort. Konkrete Vorschläge hierzu liegen seit langem auf dem Tisch. 

Effizienz entsteht nicht durch pauschale Kürzung, sondern durch bessere Prozesse“, betont Möller. „Wer an der Hilfsmittelversorgung spart, riskiert Folgekosten in Pflege, Klinik und Familie.“

Vor diesem Hintergrund fordert rehaVital eine Folgenabschätzung, bevor pauschale Kürzungen beschlossen werden. Es müsse geprüft werden, welche Auswirkungen Einsparungen auf die Verfügbarkeit von Hilfsmitteln, Reparaturzeiten, die Versorgung nach Klinikentlassungen sowie die Stabilität der häuslichen Pflege haben.

Wer die Pflege zu Hause stärken will, muss auch die Hilfsmittelversorgung stärken“, so Grunau. „Eine Politik, die an dieser Stelle pauschal kürzt, verlagert die Probleme lediglich – auf Pflegebedürftige, Angehörige und letztlich auf das gesamte Gesundheitssystem.“