Verbände warnen vor Einführung von Ausschreibungen in der Hilfsmittelversorgung

Berlin, 01. Oktober 2026: Wir versorgen Deutschland (WvD) warnt gemeinsam mit einem breiten Bündnis der Hersteller- und Leistungserbringerverbände vor einer erneuten Einführung von Ausschreibungen in der Hilfsmittelversorgung. In einem gemeinsamen Positionspapier fordern insgesamt 20 Verbände die Bundesregierung auf, von entsprechenden Plänen Abstand zu nehmen. Die Verbände stellen dabei den Schutz der Patientinnen und Patienten und den Erhalt leistungsfähiger regionaler Versorgungsstrukturen in den Mittelpunkt.
Ausschreibungen wurden 2019 abgeschafft, nachdem sich gezeigt hatte, dass der angestrebte Qualitätswettbewerb nicht erreicht wurde und hohe Risiken für die Versorgungsqualität bestanden. Alle Versuche, diese Probleme durch das Festschreiben von Qualitätskriterien in den Griff zu bekommen, sind gescheitert. Die Einführung von Ausschreibungen würde nach Auffassung der Verbände erneut einen starken einseitigen Preiswettbewerb auslösen. Dieser gefährde die individuelle Versorgung und Wahlfreiheit der Patientinnen und Patienten sowie wohnortnahe Versorgungsstrukturen.
„Hilfsmittelversorgung ist weit mehr als die Lieferung eines Produkts. Sie umfasst Beratung, individuelle Anpassung und eine verlässliche Betreuung durch qualifizierte Fachkräfte. Wer diese Versorgung durch Ausschreibungen auf den niedrigsten Preis reduziert, riskiert Qualität, Wahlfreiheit und funktionierende Strukturen vor Ort. Das wäre zugleich ein Widerspruch zum politischen Ziel, mehr Versorgung ambulant zu ermöglichen“, erklären Kirsten Abel und Dr. Henning Schweer, WvD-Generalsekretäre.
Kritisch sehen die Verbände zudem das kurzfristige Gesetzgebungsverfahren. Eine derart weitreichende Änderung der Hilfsmittelversorgung dürfe nicht kurzfristig über einen Änderungsantrag in ein bereits laufendes, sachfremdes Gesetzgebungsverfahren eingebracht werden. Ein solches Vorgehen lasse Patientinnen und Patienten, ihren Interessenvertretungen sowie den unmittelbar betroffenen Leistungserbringern kaum Gelegenheit, die Folgen für die Versorgung in das parlamentarische Verfahren einzubringen. Die Verbände sehen dadurch einen transparenten und beteiligungsorientierten Gesetzgebungsprozess gefährdet.
„Gerade bei einer solchen Entscheidung mit unmittelbaren Auswirkungen auf Millionen Versicherte braucht es eine sorgfältige Folgenabschätzung und eine angemessene Beteiligung der Betroffenen. Ein Verfahren durch die parlamentarische Hintertür wird dem in keiner Weise gerecht“, kritisieren Abel und Schweer.
WvD fordert die Bundesregierung daher auf, auf die geplante Einführung von Ausschreibungen zu verzichten.
Das Positionspapier können Sie hier herunterladen.
Diese Pressemitteilung wurde von „Wir versorgen Deutschland“ verfasst und ist zuerst auf wirversorgendeutschland.de erschienen.
Zum Verband „Wir versorgen Deutschland“ (WvD):
Knapp 25 Prozent der gesetzlich Versicherten in Deutschland benötigen die Versorgung mit Hilfsmitteln. Für Teilhabe und Lebensqualität dieser Patienten und Patientinnen sind diese Versorgungen elementar: Sie gewährleisten den Erfolg ihrer Krankenbehandlung, beugen drohenden Behinderungen vor oder gleichen bereits bestehende Handicaps aus. Mehr als 120.000 Mitarbeiter und mehr als 8.000 Leistungserbringer in den Bereichen Orthopädietechnik, Orthopädieschuhtechnik, Reha-Technik und Homecare verantworten die wohnortnahe und qualitätsgesicherte Versorgung dieser Patienten und Patientinnen.
Die im Verband zusammengeschlossenen Partner zählen zu den maßgeblichen Spitzenverbänden und Zusammenschlüssen von Leistungserbringern. In ihrer Verantwortung für die qualitätsgesicherte, wohnortnahe und wirtschaftliche Versorgung haben sich die Partner auf die gemeinsame Verfolgung politischer Positionen geeinigt. Zu dem Bündnis gehören: Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik, ORTHEGROH eG, Reha-Service-Ring GmbH, rehaVital Gesundheitsservice GmbH, die Sanitätshaus Aktuell AG sowie der Verband Versorgungsqualität Homecare e.V.
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